Hochsensibel und laut

Ich bin hochsensibel. 

Was heißt das? Eigentlich gar nichts außer, dass ich statistisch gesehen sensibler bin als die meisten Menschen, Sinneseindrücke und Gefühle nehme ich stärker wahr. Die längste Zeit meines Lebens wusste ich nichts von dieser statistischen Besonderheit und fand mich ziemlich normal. Bis das Wort plötzlich überall auftauchte, ich neugierig wurde, weil ich meine Erfahrungen in ein paar Punkten wiedererkannte und dann ein paar Bücher gelesen und Tests gemacht habe.

Ich brauche keine offizielle Diagnose, sondern bin einfach froh, dass ich einige meiner Lebens-Erfahrungen jetzt besser einordnen kann und nicht mehr so oft das Gefühl habe, mit mir stimmt etwas nicht. That’s it.

Wirklich? Nein, die Geschichte ist hier noch nicht zu Ende. 

Vor vier Jahren tauchte Eva in meinem Leben auf, eine leise, melancholische, hochsensible Künstlerin. Wir verstanden uns sofort sehr gut, oft ohne Worte und auf eine Distanz von 1900 Kilometern. Wir haben uns Fotos hin und her geschickt und darin viel von der anderen gesehen.

Wir haben Inspiralab gegründet, um Fotografinnen zu helfen, ihre “innere Stimme zu finden”. Und es tauchten immer mehr Fotografinnen und Fotografen in unserem Leben auf, mit denen wir uns gut verstanden, oft ohne Worte, oft über unsere Bilder.

Und es wurde immer deutlicher, dass viele von ihnen, wenn nicht sogar die meisten, auch hochsensibel sind.

Inspiralab ist also eine Community von und für hochsensible Fotograf:innen. 

That’s it?

Nein. Hier ist die Geschichte immer noch nicht zu Ende. 

“Die innere Stimme finden”.
Diese Floskel benutzen wir schon lange nicht mehr.

Aber sie lässt uns nicht los. Denn hochsensibel zu sein hat viel mit der Stimme zu tun. Mit einer Stimme, die Angst hat, zu laut zu sein oder etwas auszusprechen, das andere verärgern könnte. Mit einer Stimme, die oft schweigt, obwohl sie so viel zu erzählen hätte. 

Eine Woche in Marokko, weit weg vom Alltag, hat uns noch einmal deutlich gezeigt, wo unser Weg herkommt und wir haben gesehen, wo er hinführt. 

Hochsensibel bedeutet nicht, leise oder unsichtbar zu sein.

Wir wollen unsere ganze intensive Erfahrung des Menschseins zeigen: das warme Licht und die zarte Berührung, aber auch das schallende Lachen und die schreiende Ungerechtigkeit.

Genauso wie alle anderen Menschen wollen auch wir uns austauschen und mit anderen verbinden.

Genauso wie alle anderen Künstler:innen wollen wir zeigen, was uns bewegt.

Genauso wie alle anderen Fotograf:innen wollen wir mit unseren Fotos Geschichten erzählen.

Genauso wie alle anderen wollen wir gesehen werden. 

Aber zu oft steht uns die Angst im Weg, zu verletzend oder zu verletzbar zu sein.

Eva und ich haben Wege gefunden, sie (meistens) nicht zu ernst zu nehmen. Denn es gibt Wichtigeres im Leben und so viel, was wir sagen und zeigen wollen!

Unsere Vision ist, auch dir als hochsensible Fotografin oder Fotograf dabei zu helfen, lauter und sichtbarer zu werden. 

Du hast viel zu sagen. Deine feine Wahrnehmung, intensiven Gefühle und die Bilder in deinem Kopf sind eine Bereicherung für die Welt. Wir wollen sie sehen, unzensiert und mutig! Und wir wollen, dass alle etwas davon haben.

Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. 

Hochsensibel und laut geht beides!

Fotos: Sonja Stich
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