Wie ich in den kreativen Flow kam. Von Sophie Engel-Bansac

Sophie Engel-Bansac ist Violinpädagogin, Bratschistin und Feldenkraislehrerin. Sie hat in renommierten Ensembles gespielt und ist derzeit als Dozentin für Musikphysiologie und Feldenkrais an der Universität der Künste in Berlin tätig. Im März 2023 nahm Sophie an unserem Workshop „Poetisches Foto-Essay“ teil. Als Künstlerin aus einem anderen Bereich und mit wenig Erfahrung in der Fotografie konnte sie sich ganz unvoreingenommen in das Abenteuer stürzen. Sie hat beim Fotografieren alle ihre Sinne benutzt, auch den Bewegungssinn, wie im Feldenkrais. Mit ihrer Spielfreude und dem interdisziplinären Ansatz hat Sophie uns und die anderen Kurs-Teilnehmerinnen nachhaltig inspiriert.

Mit kindlicher Neugierde hat sie sich dem neuen Medium gewidmet und ist dabei sich selbst und ihrer Kreativität begegnet. Bei Spaziergängen mit ihrer Kamera ließ sie sich von allem, was ihr begegnete und den technischen Möglichkeiten ihrer Kamera verzaubern.

Wir haben sie gebeten, über ihre Erfahrungen zu schreiben, um auch andere zu motivieren, wieder freier und mit dem Anfängergeist zu fotografieren, etwas, das vielen von uns manchmal im Berufsalltag verloren geht.

Ihr Text ist eine Einladung, die Kamera öfter mit Leichtigkeit und Spielfreude in die Hand zu nehmen, um wieder in den Flow zu kommen.

Ein Gastbeitrag von Sophie Engel-Bansac, Musikerin und Feldenkraislehrerin, Teilnehmerin im Workshop Poetisches Foto-Essay

Einfach losziehen, ganz unvoreingenommen, ohne Ziel, an mir liebste Orte oder einfach auf die Straße, an den Strand oder auf den Markt, aber auch einfach zu Hause bleiben, überall an all diesen Orten ist es möglich, in den Flow zu kommen, dann, wenn ich von Pflichten gerade befreit bin.

Lustige Ideen oder Entdeckungen auf dem Weg, das können auch existierende Bilder sein, die plötzlich magisch, unheimlich oder berührend sind für meine Sinne. Oder ich zeichne ein eigenes Bild. Alle Sinne sind offen, es kann sein, dass der Hörsinn oder der Tastsinn mich zu einem Bild bringen, das einfach zu mir kommt. Vielleicht auch der Geruchs-/ Geschmackssinn, mein Gleichgewichtsorgan im Ohr oder ganz simpel meine Augen.

Ein Blickfang: etwas zieht meine Aufmerksamkeit an. Und dann kommt das pure Bild, das ich gerade entdecke. Ich kann es von verschiedenen Perspektiven, Positionen, ja vielleicht liegend, auf den Knien oder ganz schief in der Landschaft ins Objektiv nehmen
– nah – weit – halb im Bild, von oben oder unten.

In Bewegung, ja ich komme sogar in Bewegung beim Fotografieren. Es fühlt sich gut an, mich in diesem Moment so beweglich zu fühlen, ich vergesse mich einfach, wenn ich experimentiere, wie mein Bild mir im Moment am schönsten, lustigsten, absurdesten entgegenblickt.

Mit Licht und Schatten kann ich spielen, wenn es gerade zufällt.

Und vielleicht gibt es nebenan auch noch ein Motiv, was ich kombinieren könnte, eine Doppelbelichtung. Aber auch nur eine Verfärbung eines schönen Motivs mit einer roten Farbe eines Graffiti-Bildes, einer gelben Blume oder meiner Jacke, Pulli, Schuh …

Dasselbe Sujet bekommt durch eine kleine Veränderung eine neue Bedeutung. Mich fasziniert diese minimale Veränderung, die so viel ändern kann. Es erzählt etwas aus dem Leben.

Das Spektrum ist so groß, so belebend, so begeisternd, dass ich einfach glücklich bin, über all die Ideen und Möglichkeiten, die über mich kullern.

Ich denke an die Meditation und die Feldenkrais Methode und merke, wie diese meine konstanten Begleiter sind in meinem kreativen Prozess. Von Atemzug zu Atemzug im Flow bleiben, immer wieder neu und frisch und bereit, in alle Richtungen zu gehen und zu spielen.

Tief im Spiel zu stecken, die Zeit zu vergessen, machen mich glücklich und bedeuten für mich, im Jetzt zu sein, um das Kreative empfangen zu können. Es kommt zu mir, egal über welchen Sinn.

Durch den Kurs des poetischen Foto-Essays habe ich plötzlich erfahren, wie Bilder oder Ideen für Bilder, einfach zu mir kommen, ganz ohne Anstrengung, versunken im Moment selbst. Vielleicht entsteht die Leichtigkeit genau durch dieses Vertrauen, dass es zu mir kommt? Auch Geschichten kommen ohne Absicht, plötzlich entstehen Zusammenhänge und Möglichkeiten. Diese Erfahrung hat in mir ganz viel Freude, Inspiration und Zuversicht ausgelöst. Es kann und darf leicht sein - eine Erlösung - dafür bin ich zutiefst dankbar.

Text und Fotos von Sophie Engel-Bansac


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Workshop Poetisches Foto-Essay

Verwandle deine Ideen und Gefühle in poetische Bilder und Geschichten. In diesem Workshop lernst du, eine visuelle Geschichte zu erzählen und findest deine ganz eigene Bildsprache. Du realisierst ein persönliches künstlerisches Projekt, lernst Kreativ-Techniken und gestaltest dein eigenes Buch.

Online-Workshop mit Gruppen-Mentoring und individuellem Feedback

Leitung: Eva Radünzel, Sonja Stich und Sonia Epple

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